23. Int. Alsterlauf 2012: Ein Rekordlauf mit Olympia-Nachklang
Was für ein Alsterlauf! Ein Streckenrekord auf den letzten Metern, eine neue deutsche Jahresbestzeit, zwei deutsche 5000m Olympia-Teilnehmer (von vor vier Wochen und vor 24 Jahren) am Start (und im Ziel), das größte Teilnehmerfeld seit 2007 und, wie bestellt, zum Austrudeln nach dem Zieleinlauf sommerliches Wetter. Und diverse persönliche Bestzeiten - da war Adrenalin drin!

Wo soll man anfangen? Vielleicht bei dem Überraschungs-Gaststar. Arne Gabius, Teilnehmer am 5000m-Lauf der Olympischen Spiele vor vier Wochen in London, kam nach fast acht Jahren wieder einmal in seine alte Heimat Hamburg, um es beim Straßenlauf richtig "krachen" zu lassen. Gabius gehört zu den wirklich wenigen Deutschen, die es in letzter Zeit auf der Langstrecke aufs internationale Parkett geschafft haben. Letzte Woche gab er seine Zusage, beim Alsterlauf anzutreten, wo er zuletzt 2004 in 29:52 schnellster Deutscher geworden war. Sein Trainer Gerd Seemann aus dem alten Heimatverein, der LAV Hamburg-Nord, gab um 10 Uhr den Startschuss, mit Gast Wolfgang Kucklick, der ein halbes Jahrhundert lang für die LAV Hamburg-Nord tätig gewesen war und vielen auch als "Vater des Hamburg-Marathons" bekannt ist. Tausende setzten sich in den zwei Startkanälen Mönckebergstraße und Steinstraße in Bewegung, dank Dualstart dauerte es "nur" vier Minuten, bis der letzte durch war.

Für Zuschauer ist es bequem, sich Start und Zieleinläufe anzusehen – nach dem Start einmal ein paar hundert Meter über den Gerhart-Hauptmann-Platz Richtung Binnenalster zum Hapag-Lloyd-Gebäude rüberbummeln, und man ist rechtzeitig an der Ziellinie. Schwieriger wird´s, wenn man auch noch zwischendrin was vom Rennen sehen will. Sitzt man nicht gerade auf dem Führungsfahrrad oder -motorrad, sind die Spitzenläufer zu schnell – etwas mehr als 20 km/h im Durchschnitt. Auch Moderator Karsten Schölermann musste im Zieleinlauf erst einmal warten. Per Handy gab ihm dann der Streckenposten bei km 5 die Nachricht von einer rekordverdächtigen Zwischenzeit durch: "14 Minuten glatt". Das war noch einmal eine Extradosis Adrenalin für die wartenden Zuschauer. Bei gleichbleibendem Tempo wäre der Streckenrekord aus dem Jahr 2008 (28:19, Daniel Mukche) nämlich deutlich unterboten worden – und wenn sich außerdem Gabius weiterhin in der Spitzengruppe drin halten könnte, wäre der deutsche Uralt-Rekord über 10 km (27:47, Carsten Eich 1993) nicht mehr wirklich weit weg gewesen. Wenn man schon einen Olympia-Teilnehmer dabei hat, ist einiges möglich… Allerdings, auch das sonstige Eliteläufer-Feld hatte es in sich. Insgesamt 42 waren verpflichtet worden. Auch bei den Frauen war die Aussicht, die fünf Jahre alte Streckenrekord-Marke (32:12, Anitha Jepchumba Kiptum) zu knacken, "drin".

Außenalsterkundige Läufer (und Segler) kennen eine Spezialität der Laufstrecke: Gegenwind, der mit einigem Pech auch schon mal auf Ost- und Westufer entgegenweht. So schlimm war´s nicht, aber nach dem Richtungswechsel hinter der Krugkoppelbrücke wurde die Spitzengruppe ein bisschen ausgebremst. Und, das kennt jeder Alsterlauf-Läufer: es gibt gegen Ende noch ein paar kurze, aber knackige Steigungen. Auf der Kennedybrücke musste Gabius, so sagte er später, abreißen lassen. Da zog sich die Spitzengruppe ein ganz kleines bisschen auseinander. Als genau nach 27 Minuten und 17 Sekunden das Führungsmotorrad die Kurve zur langen Zielgeraden passiert hatte, konnte man erstmal noch nicht erkennen, wer von den sechs um die Ecke biegenden Kenianern das Rennen machen würde, so eng lagen sie, aus ein paar Metern Distanz betrachtet, noch zusammen. Und der Streckenrekord? Das war dermaßen knapp in diesem Augenblick: Es stand fifty-fifty. Trotzdem riss Richard Kiprop Mengich, der sich auf der Zielgeraden vielleicht gerade einmal 20 Meter absetzen konnte, ganz entspannt noch vor der Ziellinie die Arme hoch, als hätte er neben dem Sieg den Streckenrekord um Minuten sicher und nicht nur um eine einzige Sekunde – denn 28:17 zeigte die Zieluhr an, als sein Fuß die erste der blauen Zeitmessmatten berührte. Da lief Gabius an der ersten Flagge im Zieleinlauf vorbei, nur ein paar zehn Meter weiter dahinter, aber noch hinter der kenianischen Verfolgergruppe, die im Sekundentakt im Ziel folgte. Im Stakkato: neuer Alsterlauf-Streckenrekord, sechs Zeiten unter 28:30, elf unter 30:00 – neue deutsche Jahresbestzeit 28:35 durch Gabius, alte Marke (29:09, Rico Schwarz, 1. April) ebenso unterboten wie seine eigene persönliche Bestzeit – um 23 Sekunden – und die deutsche Jahresbestzeit 2011 (28:58). Überhaupt muss man in den Bestenlisten des DLV weit zurückgehen, um eine schnellere Zeit zu finden – zuletzt 2003 war Carsten Eich mit 28:34 über 10 km Straße schneller.

Nur um 16 Sekunden, mit 32:28, verpasste Cynthia Kosgei (KEN) den Streckenrekord von Anitha Jepchumba Kiptum aus dem Jahr 2007. Zwei weitere Landsfrauen blieben unter 33 Minuten. Schnellste Deutsche wurde Martina Boe-Lange vom Post SV Uelzen in 36:48.
Die Hamburger Meisterschaften gingen bei den Männern an den Favoriten Mourad Bekakcha (HSV). Dass er mit 31:49 nicht nur den Meistertitel vor Jan-Oliver Hämmerling (TSG Bergedorf, 32:12) holte, sondern auch glücklich unter der "32er Marke" blieb, merkte man ihm im Zieleinlauf an. "Youngster" Abdellah Hamoureis, ebenfalls HSV, auf Platz drei, läuft in jüngster Zeit erheblich in Richtung Top-Form auf – man wird in den nächsten Jahren sicher einiges von ihm sehen. Bei den Frauen gewann Katharina Josenhans (HSV) in 37:16 und persönlicher Bestzeit den Meistertitel, deutlich vor Manuela Sporleder (TuS Germania Schnelsen, 38:26), die ebenfalls persönliche Bestzeit lief (aber ein paar Tage zuvor noch 10000m auf der Bahn gelaufen war).

16 Siegerehrungen gab es – Gesamtwertungen, Altersklassen, Hamburger Meisterschaften Gesamt, Senioren, Mannschaften, Senioren-Mannschaften, Zwischenstand hella Laufcup, die Übergabe eines Schecks i.H.v. 2.421,-- Euro an Farid Müller für die AIDS-Hilfe Hamburg (der Betrag wurde vom Veranstalter BMS noch auf glatte 3.000,-- Euro großzügig aufgerundet) – allesamt bei strahlendem Sonnenschein.
Eine Auswahl der Top-Platzierten:
Top 10 Männer Gesamtwertung
1. Richard Kiprop Mengich (KEN), 28:17
2. Patrick Mugur Ereng (KEN), Comnet Team Lörrach, 28:23
3. David Kipketer Kogei (KEN), 28:23
4. Edwin Kiprop Korir (KEN), 28:24
5. Kadengoi Loitareng (KEN), 28:25
6. Charles Wachira Maina (KEN), USC Heidelberg, 28:27
7. Arne Gabius, LAV Stadtwerke Tübingen, 28:35
8. Dickson Kosgei Kurui (KEN), Comnet Team Lörrach, 29:02
9. Patrick Kimeli (KEN), USC Heidelberg, 29:18
10. David Karuiru Wanjohi (KEN), 29:23
Top 10 Frauen Gesamtwertung
1. Cynthia Kosgei (KEN), Comnet Team Lörrach, 32:28
2. Lucy Macharia (KEN), 32:36
3. Jebichi Yator (KEN), 32:57
4. Jedidah Wanjiru Karungu (KEN), 34:24
5. Sheila Kiplagat (KEN), Comnet Team Lörrach, 34:28
6. Martina Boe-Lange, Post SV Uelzen, 36:48
7. Katharina Josenhans, Hamburger SV, 37:16
8. Inga Jürrens, LG Harlingerland, 37:21
9. Beate Krecklow, SG Greifswald, 38:04
10. Manuela Sporleder, TuS Germania Schnelsen, 38:26
Top 6 Männer Hamburger Meisterschaft
1. Mourad Bekakcha (ALG), Hamburger SV, 31:49
2. Jan Oliver Hämmerling, TSG Bergedorf 32:12
3. Abdellah Hamoureis (MAR), Hamburger SV, 32:13
4. Vincent Krahn, TSG Bergedorf, 33:05
5. Jannis Kellermann, LG Wedel-Pinneberg, 33:07
6. Nico Göllnitz, Hamburger SV, 34:07
Top 6 Frauen Hamburger Meisterschaft
1. Katharina Josenhans, Hamburger SV, 37:16
2. Manuela Sporleder, TuS Germania Schnelsen, 38:26
3. Katharina Nueser, LG Wedel-Pinneberg, 38:42
4. Carolin Wendel, Hamburger SV, 38:58
5. Jana Baum, Hamburger Laufladen, 39:36
6. Daniela Mölleken, TH Eilbeck 39:53
Top 3 Männer Hamburger Meisterschaft Mannschaften
1. Hamburger SV (Mourad Bekakcha (ALG), Abdellah Hamoureis (MAR), Nico Göllnitz) 1:38:04
2. TSG Bergedorf (Jan-Oliver Hämmerling, Vincent Krahn, Andreas Virus) 1:40:09
3. Hamburger Laufladen (Andrew Mason (GBR), Jens Gauger, Andreas Vetter) 1:43:03
Top 3 Frauen Hamburger Meisterschaft Mannschaften
1. Hamburger SV (Katharina Josenhans, Carolin Wendel, Berrin Otto) 1:58:36
2. Hamburger Laufladen (Jana Baum, Julia Luck, Greta Krumbholz) 2:00:43
3. Hamburger Laufladen (Ulrike Gogolka, Carmen Richard (SUI), Mirjam Rolfe (SUI)), 2:10:00
Alle Ergebnislisten sind jetzt online.
Bericht: Heiko Dobrick (www.laufen-in-hamburg.de)
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